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Die Chance erkennen

Tief in mir war ich lange Zeit - von Kindheit an sogar - eine Suchende. Natürlich ist dies nichts Besonderes. Ich gehe davon aus, dass sich alle Menschen auf der Siche befinden. Auf der Suche nach Erfüllung, auf der Suche nach Erfahrung, auf der Suche nach Entwicklung und vielem mehr. Meine persönliche Suche, die mich mein (vor-enneagrammatisches) Leben lang begleitete, würde ich so beschreiben:

Ich folgte einer Sehnsucht nach Licht, nach einer gewissen Leichtigkeit; ich suchte das Lachen, eine Fröhlichkeit, die andere Menschen bereits besaßen, und, auf den Punkt gebracht, galt meine Suche der Freude und nicht zuletzt der Liebe. 

Als Mensch des Enneamusters EINS blieb meine persönliche bis zum 44. Lebensjahr gelebte Erfahrung, dass die Sehnsucht und damit verbundene Suche unerfüllt blieb. Bis zu jenem Moment, als das Enneagramm zu mir kam.

Ich hatte das Enneagramm nicht bewusst, geschweige denn aktiv gesucht. Es wurde mir geschenkt, in Form einer zu jenem Zeitpunkt "praxisfernen" Fortbildung, die mir quasi als Dank für geleistete gute Arbeit genehmigt worden war. Mein damaliger Vorgesetzter ahnte bereits nach seinem ersten Kontakt mit dem Enneagramm, dass diese "Thematik" genau das Richtige für mich wäre. Heute noch bin ich ihm sehr dankbar für dieses Gespür.

Nachdem das Enneagramm gleichsam mich gefunden hatte, wurde ich wach und aktiv. Diese neue Wachheit und Aktivität unterschied sich gefühlsmäßig völlig von dem früher gelebten, automatischen Aktivismus, der mein Leben bis dahin bestimmte. Von da an ließ ich das Enneagramm nicht mehr los - oder ließ es mich nicht mehr los? Egal, seit mehr als fünfzehn Jahre bilden wir eine Lebensgemeinschaft, die enger und persönlicher für mich ist, als alles zuvor Erlebte, denn:

  • Das Enneagramm ließ mich erkennen, dass mein Fühlen, Denken und Handeln häufig einem Muster folgen und dies oft automatisch, unbewusst abläuft. Ich konnte erfahren, dass ich nicht alleine damit stehe und an meinen Charakterzügen zweifeln oder sogar verzweifeln muss. Unzählige Menschen folgen diesem Denk-, Fühl- und Handlungsmuster und verstehen, wenn ich davon erzähle. Demnach bin ich nicht vereinzelt in dieser Welt. Trotz meiner Individualität, der Einmaligkeit meines Wesens, bin ich verbunden mit anderen.
  • Mit dem Enneagramm konnte ich erfahren, dass es außerhalb meines Charaktermusters noch weitere Möglichkeiten gibt, auf der Welt zu sein, nämlich in Form von acht anderen Lebensentwürfen, die sich von meinem maßgeblich unterscheiden. Und jeder Mensch mit einem dieser "mir fremden" Charaktermuster ist eine Bereicherung für mich, in seiner Individualität, wie auch in der Andersheit seines Ennea-Musters. Alle sind wir Teil eines Ganzen und ergänzen uns auf wunderbare Weise.
  • Dank des Enneagramms erkannte ich das Gefängnis meines eigenen Charaktermusters und den Weg aus ihm heraus - den Weg in eine neue Freiheit, wo Freude und Liebe mich erwarteten. Wenn ich das so schreibe, möchte ich nicht unterlassen, auf die Steine hinzuweisen, die sich auf meinem Entwicklungsweg befinden, über die ich stolpere, und denen ich manchmal auch ausweichen muss. Doch in der Lebensgemeinschaft mit dem Enneagramm wird für mich die nötige Hinwendung und auch Hingabe möglich, die unterschiedlichsten Facetten des Lebens zu sehen und willkommen zu heißen. Jegliche Erfahrung ist in Ordnung, so wie sie ist.
  • Durch die Weisheit des Enneagramms, die sich mir eröffnete, erfuhr mein Leben eine einzigartige Bereicherung. Ich kann wieder staunen über mich und die Anderen, ich freue mich an jedem Morgen aufs Neue und bin sehr neugierig, was noch auf mich zukommen wird. Glück, So-Sein, Da-Sein, Loslassen, Genießen, Fühlen, herzhaft Lachen, das alles sind keine Fremdwörter mehr für mich.

Meinem Lehrer Wilfried Reifarth und Barbara Stiels, der Co-Leiterin meiner Weiterbildung zur Enneagrammlehrerin, bin ich dankbar - dankbar, dass ich durch sie beide und mit ihnen die Wirkmächtigkeit des Enneagramms erleben durfte und weiterhin erleben darf.

Ein Herzenswunsch von mir wäre, in ihrem Sinne diese äußerst glücklichen Erfahrungen in Zukunft weitergeben zu können. Auch meiner Ausbildungsgruppe möchte ich danken - für all das, was Worte alleine nicht zu beschreiben vermögen.

Maria

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