Begleit-Gedanken eines Weg-Gefährten - Bejahen, Verneinen, Versöhnen
Bejahen, Verneinen, Versöhnen
Gurdjieff und das Enneagramm (Berlin 2013)

Schon früh hattest du, lieber Wilfried, dich entschieden, dich inhaltlich an Claudio Naranjo zu orientieren. Und wie dein wissenschaftlicher Anspruch so ist, hast Du neben der deutschen Literatur immer wieder die englischen Originaltexte herangezogen und z. B. die Übersetzung von Naranjos Buch aus 1994 "Erkenne dich selbst im Enneagramm" als fehlerhaft und unvollständig bemängelt.
Mit diesem Anspruch hast Du dich in das "Abenteuer Gurdjieff" gestürzt. Mir wurde allein von dem Gedanken schwindelig, wenn Du berichtetest, wie viel Text Du dir einverleibt hast, um bloß einen Überblick über Gurdjieffs Wissen und Gedankenwelt zu bekommen. Auch hierbei hast Du eben auch englische Literatur herangezogen. Heute noch bewundere ich dich, wie Du bei alledem die Geduld, den Überblick, die Zähigkeit bewahren konntest, es zu studieren, es zu verstehen und dann noch so aufzubereiten, dass wir die z. T. verworrenen, komplexen und manchmal kryptischen Ideen von Gurdjieff verstehen lernen.
Du hast mehrmals davon berichtet, dass Maurice Nicoll, der Schüler von Ouspensky, der seinerseits ja ein wichtiger Schüler von Gurdjieff war, dir zu manchem eine Brücke gebaut hat, weil er von seinem Grundberuf - wie Du - als Psychologe die Dinge beschrieben und gelehrt hat.
Ähnlich wie dein zweites ist auch dieses Buch von höchster Komplexität: Neben der Recherche über die geschichtlichen Zusammenhänge der Entwicklung der Enneagramm-Idee von Gurdjieff, für den sie eine universelle Chiffre war, bis hin zu Ichazo, für den sie eher ein Instrument für Selbsterkenntnis und spirituelle Entwicklung ist, erklärst Du genau und verständlich die inhaltlichen Dimensionen, mit denen die gurdjieffschen Grundannahmen für uns heute das Enneagramm der Persönlichkeit an- und bereichern können. Gleichzeitig ergeht von dir eine Aufforderung an die z. T. zerstrittenen Schulen, die Erkenntnisinhalte ernst zu nehmen und sich auf den Weg von 'Bejahen - Verneinen - Versöhnen' zu machen.
Was die beiden Richtungen voneinander lernen könnten, ist immer wieder dein Thema.
Übrigens: Dieses Buch widmest Du Deinen "Schülerinnen und Schülern".
Paul Glar