Unsere Quellen
Unser Enneagramm-Verständnis beruht auf den Erkenntnissen verschiedener Autoren und Traditionen. Zahlreiche tiefgehende Einsichten verdanken wir dem Forschergeist von Wilfried Reifarth und seiner Fähigkeit, diese in unserer gemeinsamen Mitte zu entwickeln. Nicht minder verdienstvoll sind die Beiträge von Barbara Stiels. Sie hat diese Einsichten in die Beratungsarbeit im sozialen Bereich übertragen und sie damit einem Praxistest unterzogen. Seit mehr als einem Jahrzehnt verantwortet sie wesentlich den institutionellen und organisatorischen Zusammenhalt des DEZ.
Einige Quellen sind unmittelbar mit der Enneagramm-Idee verbunden, andere bereichern unser Verständnis aus weiteren Perspektiven.
Claudio Naranjo
Die beste Orientierung für die Annäherungen an das Enneagramm ist unseres Erachtens in den Veröffentlichungen von Claudio Naranjo zu finden. Sein Werk hat uns ermutigt, den Fokus auf die Arbeit mit der Vorherrschenden Leidenschaft zu legen.
Dass das Erkennen der dominanten Leidenschaft von großer therapeutischer Wirksamkeit ist, hat sich nach meiner Erfahrung bestätigt.
Naranjo (Charakter und Neurose, S.30)
Aus seinen Pionierarbeiten, die wiederum auf Einsichten von Oscar Ichazo basieren, hat sich in den letzten vier Jahrzehnten eine breite Palette von Interpretationen der Idee entwickelt, denen wir grundsätzlich offen gegenüberstehen. Ihr Wert bemisst sich für uns letztlich daran, ob sie der „Wahrheitsprobe der Zeit" (Martin Buber) standhalten, das heißt, ob sie es uns ermöglichen, eine gegebene Situation so zu verstehen, dass wir klarer und wirksamer mit ihr umgehen können als ohne den Einsatz dieser Erkenntnisse.
Martin Buber
Wesentliches Element unseres Weiterbildungsweges ist die Dialogphilosophie Martin Bubers. Er hat in seinem grundlegenden Werk „Ich und Du" wie niemand vor und nach ihm herausgearbeitet, was es heißt, wahrhaft in Beziehung zum Anderen zu treten. In einer ungewohnt verdichteten Sprache formuliert Martin Buber, welche innere Haltung erst die Beziehung zwischen Ich und Du begründet. Ich, Es, Du, Beziehung, Liebe, Entwicklung und Gemeinschaft sind für ihn Schlüsselbegriffe für wirkliche Begegnung zwischen Menschen (und zwischen Mensch und Gott).
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Georg I. Gurdjieff
Durch die Beschäftigung mit dem Werk von Georg Iwanowitsch Gurdjieff haben wir gelernt, dass es möglich ist, das Enneagramm der Persönlichkeit mit seiner Lehre, dem sogenannten Vierten Weg, zu verbinden. Diese Verbindung hilft uns zum Beispiel, die Wirkungsweise der drei Intelligenzen Denken, Fühlen und Handeln genauer zu verstehen. Daraus wiederum wird deutlicher, wie wir zu einer Verhaltens- und Einstellungsänderung gelangen können, bzw. welche Hindernisse sich ihnen in den Weg stellen können.
Zwölf Schritte in Anlehnung an die Anonymen Alkoholiker
Die Befassung mit den 12 Schritten, wie sie in den Gruppen der AA (Anonyme Alkoholiker) weltweit praktiziert werden, hat unser Bewusstsein dafür geschärft, dass eine Entwicklung der Persönlichkeit nicht allein aus eigener Kraft gelingen kann. Sie kann erst in Gang kommen, wenn wir anerkennen, dass wir Teil eines Ganzen sind. Als solcher sind wir mit einer Kraft verbunden, die größer ist als wir selbst. Mit ihr können wir in Verbindung kommen, können aber nicht über sie „verfügen". Wir können uns gegenseitig Kraft und Hoffnung geben, indem wir einander auf unserem Entwicklungsweg begleiten und unsere Erfahrungen miteinander teilen.