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EntwicklungsArbeit

Die seelisch-geistige Entwicklung kann als größte Herausforderung und größte Chance der Enneagramm-Idee zugleich gesehen werden.

Wenn ein Mensch sein Ennea-Muster zweifelsfrei kennt – wenn er also wirklich in seinem „seelisch-geistigen Zuhause" angekommen ist –, eröffnen sich ihm viele Einsichten, was er in seinem Leben verändern könnte (und wie er es am besten tun sollte), um mit sich selbst mehr und besser ins Reine bzw. in Einklang zu kommen.

Es können große Schritte sein, die fast einem „Vorzeichenwechsel" gleichkommen, aber auch das Aufgeben kleiner Gewohnheiten. Erst die Summe unterschiedlicher Schritte macht den Unterschied. Eine Entwicklungs-Theorie des Enneagramms, die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit beanspruchen will, kommt mit den Elementen, die das Theorie-Gerüst des „Enneagramms der Persönlichkeit" bereithält, allein nicht aus. Es muss um grundlegende Einsichten Gurdjieffs, die als „Lehre des Vierten Weges" firmieren, ergänzt und erweitert werden. Ebenso gehören wesentliche Erkenntnisse aus dem Bereich der spirituellen Dimension des Enneagramms dazu. Erst die so entstehende Synthese besitzt genügend Komplexität und Wirklichkeitstreue, um die ebenso subtilen wie tiefen Dimensionen dieses existenziellsten aller menschlichen Abenteuer sowohl verstehen als auch beginnen und durchstehen zu können.

Am Ende dieses Weges steht der Friedensschluss mit dem eigenen So-Sein. Mit dieser Selbst-Bejahung geht die attraktive Möglichkeit einher, bewusst mit den Stärken des eigenen Ennea-Musters zu leben und zu arbeiten und dessen Fallen, Täuschungen und Tücken besser wahrzunehmen.

Das Ziel all dieser Bemühungen ist, den inneren Frieden zu finden und ihn dann in die Welt zu tragen – wie es Martin Buber in seinem Weg des Menschen beschreibt.

 

Kleine Entwicklungsanleitung 

Die Arbeit in der Gruppe ist die beste Voraussetzung, um Entwicklung nachhaltig zu ermöglichen. Im Alltag können uns folgende Schritte weiterhelfen. 

1. Lerne, Dich genau zu beobachten.

2. Registriere dabei einfach nur, was Du denkst, fühlst und tust, ohne es zu bewerten.

3. Achte besonders auf Dinge, die sich wiederholen. Es könnte sich um Gewohnheiten handeln.

4. Entdecke einen Zusammenhang zwischen Deinen Gewohnheiten und Deinem Ennea-Muster.

5. Entdecke die Ennea-Muster bei Anderen und lerne, wie plausibel es sein kann, sich ganz anders als Du selbst zu verhalten.

6. Lerne, was unter Entwicklung in Deinem Muster in den Ennea-Büchern verstanden wird.

7. Frage Dich, was davon attraktiv ist und beginne, es für kurze Zeit einmal zu üben. Wenn Du Dich dabei besser fühlst, behalte es bei.

8. Befasse Dich mit den Muster-Varianten im Allgemeinen und mit Deinen im Besonderen. Für manche Menschen sind sie eine wertvolle Hilfe, sich selbst besser zu erkennen.

9. Lerne, was es mit der spirituellen Dimension des Enneagramms auf sich hat und vertiefe Dich in alles, was dort über Dein Muster gesagt wird. Versuche, es im Alltag wiederzufinden.

10. Tue einmal am Tag, was Es nicht will. Werde darin zum Ausdauersportler.

 

Würde ein Mensch nur diese zehn Schritte beherzigen, wäre seine Entwicklung wahrscheinlich schon unvermeidlich. Zugleich ließe sich wahrscheinlich schnell Einigkeit darüber erzielen, dass ihre ernsthafte Umsetzung die Bezeichnung „Arbeit" bereits voll und ganz verdient hätte.

Denn jeder einzelne Schritt stellt Gewohnheiten in Frage und bürstet sie manchmal gegen den Strich; er löst Widerstände aus; er erzwingt zwar Zustimmung, weil er „an sich vernünftig" ist, aber es finden sich sogleich gute Gründe, warum er jetzt gerade nicht zu verwirklichen ist, sondern erst später... (diejenigen unter uns, die gelernt haben, mit weniger Illusionen auszukommen, wissen, dass „später" faktisch „nie" bedeutet).

Wilfried Reifarth: Was aus mir werden kann. EntwicklungsArbeit mit dem Enneagramm, Berlin 2015, S. 16f.

+ Literatur

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