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Wie finde ich mein Muster?

Wir gehen davon aus, dass die Vorherrschende Leidenschaft immer und unabhängig von den Umständen wirkt, denn sie ist unsere seelisch-geistige Architektur – und damit die Quelle unserer Lebensenergie. Sie in ihrem Wirken unter wechselnden Kontextbedingungen zu erkennen, braucht allerdings einige Übung. 


Was ist ein Muster?

Unter diesem Begriff verstehen wir unser So-Sein, unsere innere Architektur. Der Begriff verkörpert in unseren Augen, im Gegensatz zum Typus, eine Fließgestalt. 

Wie der Begriff ennéa (griechisch = neun) nahelegt, gehen wir von neun verschiedenen Persönlichkeiten aus. Jede ist gefärbt von unserer Vorherrschenden Leidenschaft. Unser Anliegen ist es, deren Wirkungsweise zu entdecken und zu verstehen.

+ Neun Muster

 

Was spielt bei der Muster-Suche eine Rolle?

Erfahrungsgemäß vollzieht sich die Muster-Suche als Prozess, der kontinuierlich in die Tiefe führen muss. Zunächst beschäftigen sich Suchende oft mit ihren Verhaltensweisen, Vorlieben, Abneigungen und Zuschreibungen von vertrauten Menschen. Die Beschäftigung mit den hinter dem Verhalten liegenden Motiven führt dann zur Auseinandersetzung mit der Vorherrschenden Leidenschaft. Der Bezug auf die Vorherrschende Leidenschaft wirkt wie ein Kompass bei der Muster-Suche. Dieser wird durch eine exakte Definition der Vorherrschenden Leidenschaften „kalibriert“. Eine zusätzliche Möglichkeit der Vergewisserung ergibt sich durch die Einbeziehung von Aspekten der Spirituellen Dimension (wie z.B. dem Seelenkind, den Idealisierten Aspekten und der Holy Idea).

 

Worauf achten wir bei der Muster-Suche?

Jeder Muster-Suchprozess ist höchst individuell. Einige erkennen ihr Muster sofort, während es bei anderen mehr Zeit braucht. Das liegt daran, dass wir oft nicht bemerken, was uns ausmacht – es ist für uns so selbstverständlich, dass wir es nicht hinterfragen.

Aus diesem Grund kann uns ein Gegenüber helfen, das uns Resonanz gibt. Den idealen Raum dafür sehen wir in einem Offenen Großgruppenprozess. Hierbei wird die neunfache Verschiedenheit der Menschen und ihrer Lernschritte direkt erlebbar. 

Die Menschen bilden ihre Muster-Hypothesen bzw. äußern mitgebrachte Annahmen. Sorgfältige und differenzierte Fragen und Feedbacks der Gruppenmitglieder und der Prozessverantwortlichen sind nützliche Hilfen für die Bestätigung oder Verwerfung infrage stehender Muster-Hypothesen. Letztlich entscheidet jeder Mensch selbst darüber, welches Muster er für sich für richtig hält. 

+ Standards unserer Lernkultur

Kann sich mein Muster im Laufe meines Lebens verändern?

Wir gehen davon aus, dass unser Muster uns von unserer Geburt bis zu unserem Tod prägt. Es ermöglicht uns, den Anforderungen des Lebens zu begegnen. Wir haben an unserem eigenen Beispiel die Erfahrung gemacht, dass wir es seit unserer Kindheit in unserem fortschreitenden Leben wieder und wieder mit den selben Automatismen zu tun haben. Die oft geteilte Wahrnehmung, im Leben immer wieder an denselben Punkt zu kommen, verstehen wir als Ausdruck dessen. 

 

Kann ich in mehreren Mustern zu Hause sein?

Nein, auch wenn es schwer zu glauben ist: Jeder Mensch kann nur einem Muster angehören. Übereinstimmungen bei mehreren Mustern zu empfinden, ist natürlich, denn einige Muster ähneln sich auf der Verhaltensebene. Durch das Ergründen der darunterliegenden Motive und eine klare Definition der Vorherrschenden Leidenschaften kann eine trennscharfe Unterscheidung gelingen. 

 

Woran merke ich, dass meine Muster-Hypothese stimmt?

Die Ankunft im richtigen Muster wird von vielen Menschen als „Nach-Hause-Kommen“ erlebt. Die dazugehörige Reaktion kann unterschiedlich daherkommen: Einige verspüren beispielweise dabei Freude, andere Scham. 

Wir gehen davon aus, dass wirkliche EntwicklungsArbeit einer bewussten Willensentscheidung bedarf und nur im richtigen Muster stattfinden kann. Ziel ist ein Friedensschluss, bei dem eine Versöhnung mit der Vorherrschenden Leidenschaft stattgefunden hat, und sie nunmehr als lebensspendende Energiequelle erlebt werden kann.

Wenn trotz aller Anstrengungen keine persönliche Weiterentwicklung stattfindet, sondern der Betreffende den Eindruck hat, in einer Sackgasse zu stecken, ist dies ein erster und wichtiger Hinweis darauf, die Muster-Annahme zu hinterfragen.

+ EntwicklungsArbeit

Wie gehen wir mit Muster-Zweifeln um?

Wir bemühen uns um eine Kultur, die „den Zweifel heiligt“. Es verdient viel Respekt, wenn ein Mensch in der Gruppe Zweifel am eigenen Muster äußert. Das Ansprechen eines Muster-Zweifels beim Anderen ist ein heikles Unterfangen, das viel Fingerspitzengefühl benötigt. Wichtig ist, dass die Auseinandersetzung mit Muster-Zweifeln in konstruktiver Absicht geschieht. Nach unserer Auffassung liegt es in der Verantwortung des Lehrers/der Lehrerin, Muster-Zweifel anzusprechen, um Entwicklung zu ermöglichen.

 

Die Begleitung der Muster-Suche fordert von den Prozessverantwortlichen

  • Genaue Beobachtung ohne (oder mit möglichst wenig) Bewertung
  • Nicht auf „Schlüsselreize“ anzuspringen und sich damit zu früh auf eine Muster-Hypothese festzulegen
  • Das eigene Muster durchdrungen und sich mit der eigenen Vorherrschenden Leidenschaft ausgesöhnt zu haben
  • Die Fallen des eigenen Musters hinsichtlich Übertragung zu kennen. Wissen, welche Fehler mir mein Muster nahelegt (z.B. Schmeichelei, Optimismus, ...)
  • Wissen um (kluge) Verwechslungen
  • Wissen um Anziehung und Abstoßung unter den Mustern
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