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Begleit-Gedanken eines Weg-Gefährten - Das Enneagramm - Idee, Dynamik, Dimensionen

Das Enneagramm - Idee, Dynamik, Dimensionen

Ein Lernbuch mit Illustrationen von Elisabeth Holz (Frankfurt 1997)

Das Enneagramm - Idee, Dynamik, Dimensionen - Wilfried Reifarth

Die tiefe Bedeutung dieses Buches war mir anfangs nicht klar. Es löste zunächst eher ein Wohlgefühl aus. Du hattest die bis dahin vor allem in Deutschland schon erschienenen Bücher gesichtet und dargestellt (damit hast Du uns Arbeit erspart). Wir konnten vor Ort, wo unsere  Vorgesetzten uns ebenfalls argwöhnisch betrachteten, eine quasi abgesegnete Veröffentlichung vorweisen. Gleichzeitig wurde unsere Art, mit dem Enneagramm umzugehen, dargestellt; schon in der Ein­führung hast Du die Erfahrungen der einzelnen Muster-Grup­pen beschrieben, was uns Beteiligte bei manchen Aspekten wegen des Wiedererkennungswertes zum Schmunzeln anregte.

Gleich zu Beginn machst Du eine wichtige Setzung: 'Nature or nurture - angebo­ren oder erworben?' und beschreibst im Folgenden, dass Du von 'nature' ausgehst. Dies geschah zu einer Zeit - Du beziehst dich auf mittlerweile über zwanzig Buchveröffentli­chungen -, als viel­fach noch frühkindliche Erfahrungen, sprich Traumatisierungen und die daraus entstehenden Neurosen, als für die einzelnen Muster verantwortliche Ursachen angesehen wurden.

Ferner hast Du - en passant - den bis dahin geprägten Begriff der 'Typen' zu Gunsten von 'Mus­ter' eingebracht: "Jeder Mensch ist ganz gewiss einmalig und besonders. Der genaue und sorgfäl­tige Blick auf ihn rechtfertigt jedoch die Annahme eines Musters, welches einen erheblichen Teil des Fühlens, Denkens und Verhaltens dieses Menschen exakt und zutref­fend beschreibt. Ent-Wicklung kann nur innerhalb dieses Musters stattfinden." (S. 10)

Dein Credo: "Im Ergebnis betrachtet, haben diese Erfahrungen meine Achtung vor der Erklä­rungstiefe und Wirkmächtigkeit der Enneagramm-Idee kontinuierlich gesteigert", konnte von mir in seiner Radikalität damals - als wir uns noch mit 'Fingerübungen' beschäftigten, nicht erkannt werden.

Schon diesem Buch war deine Reife bezogen auf den von Dir vertretenen AHLMOZ-Ansatz an­zumerken. Neben den Geschichten und Illustrationen, die u. a. die Aufgabe haben, "den Intellekt gleichsam zu zwingen, um die Ecke zu denken", hast Du die einzelnen Muster mit den an die Anony­men-Gruppen (AA) angelehnten Namen versehen: Anonyme Grollschieber, Anonyme Beziehungs­süchtige, Anonyme Anonyme, usw.

Die damals von Dir vermittelten Ideen über die Erkenntnis der musterspezifischen Leiden­schaf­ten als 'unsere leidenschaftlichen Dämonen' wurden vermutlich als interessante Folklore emp­funden. Zumindest im DEZ sind wir 2018 dabei, den Wert dieser Bilder zu ent­decken: "Im Lichte heutigen Wissens ist es faszinierend und verblüffend zugleich, wie tief und genau die alten Mönche das Wirken und die von ihren seelisch-geistigen Widersachern ver­wendeten Techniken beschrieben und verstanden haben." (S.45)

Die Idee, Elisabeth Holz als Koautorin zu gewinnen und ihr einen künstlerisch eigenen Platz einzuräumen, hat dem Buch einen weiteren Charme, aber auch eine weitere Tiefe ge­geben.

Fazit: Obwohl dieses Buch bereits über 20 Jahre auf dem Buckel hat, zeigt es deine damalige Weit­sicht, aber auch den schon damals durch entsprechende Vorbildungen erworbenen weiten Hori­zont.

 

Paul Glar

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