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Erfahrungsbericht Enneagramm Muster VIER - www.deutsches-enneagramm-zentrum.de
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Ich bin ein Mensch des Musters VIER

Mich zu beschreiben, fällt mir nicht leicht. Nachdem ich viele Jahre in dem Muster EINS "zuhause" gewesen bin, genieße ich die Jahre, seitdem ich erfahren durfte, dass dies nicht stimmt. Ich bin wirklich zuhause angekommen, und es fühlt sich so viel besser an. 

Meine Hauptleidenschaft: Der Neid

Neid spüre ich in jeder Pore meines Körpers, er begleitet mich Tag und Nacht. Wann immer ich in Kontakt mit anderen gehe, oder etwas sehe, was andere machen, vergleiche ich mich und schneide dabei in der Regel schlecht ab.

Wilfried Reifarth schreibt in seinem Buch "Was aus mir werden kann", dass der Neid immer das ausdrückt, was außerhalb von mir selbst liegt. Ich sehe, spüre, fühle, dass alle anderen das haben, wonach ich mich sehne. Es entsteht tatsächlich, wie beschrieben, ein unendliches Verlangen nach diesem Fehlenden.

Vom Neid abgeleitete Wesenszüge zeigen sich bei mir deutlich in meinem negativen Selbstbild. Wenn ich mich den negativen Emotionen und der Identifizierung hingebe, kann ich mich nur schlecht fühlen. Tief in meinem Inneren empfinde ich keine Daseinsberechtigung, da ich annehme, von Grund auf schlecht zu sein. Alles was schief läuft, beziehe ich auf mich: Ich bin der Nabel der Welt, der für alles Schlechte, was entsteht, verantwortlich ist. Diese narzisstische Überhöhung gibt mir wiederum das Recht, mich auf das "süße Leid" zu fokussieren. Ich muss mein Denkzentrum einschalten, um zu erkennen, worin mein Wert besteht, und dass ich einen positiven Beitrag in unterschiedlichen Bereichen des Lebens leiste.

Der Begriff Würdigung hat für mich inzwischen eine hohe Bedeutung. Ich bin nicht von Natur aus damit ausgestattet, Menschen, deren Beiträge und Leistungen zu würdigen. Meine Hauptleidenschaft macht mir ganz häufig einen Strich dadurch. Aber so wie ich mit anderen umgehe, so gehe ich auch mit mir selbst um.

Gleichzeitig - wie ein Film, der mich begleitet - höre ich tagaus, tagein eine Stimme in mir, die mir sagt: "Man kann es auch mit dem Loben und der Anerkennung übertreiben; man sollte sich nicht so wichtig nehmen. Warum wird darauf so viel Wert gelegt? usw. usw." Dies ist der Neid, meine vorherrschende Leidenschaft und mein Abwehrmechanismus, die konkurrierende Arroganz ("Das habe ich nicht nötig, so etwas brauche ich doch nicht"). Und doch merke ich immer mein Bedürfnis, das auch zu bekommen, danach zu gieren, gleichzeitig das Bedürfnis zu unterdrücken, in dem ich mich selbst - und natürlich auch andere - abwerte.

"Hart zu mir und hart zu anderen!" Mich zu quälen, mir besondere Leistungen, die immer mit Anstrengung verbunden sind, abzuverlangen, übt eine hohe Faszination auf mich aus.

Ich weiß aber inzwischen, dass Entwicklung für mich nur gelingen kann, wenn ich beginne, mich selbst zu würdigen. Und zwar nicht auf eine "automatisierte" Art und Weise, indem ich auf "Primadonna" - unabhängig und unnahbar - mache, jederzeit bereit, den Kontakt abzubrechen, wenn mir jemand quer kommt.

Die Frage, wie es um die Liebesfähigkeit als Mensch des Musters VIER bestellt ist, begleitet mich nun seit geraumer Zeit. Ich wollte sie nicht an mich heranlassen, habe sie abgewehrt, habe andere beschuldigt, mir Unrecht zu tun.

Ich merke sehr häufig, wie ich mich fürsorglich gebe. Eigentlich entspringt dieser Wesenszug dem Bedürfnis, selbst etwas zu bekommen. Gleichzeitig erlebe ich aber wieder Frust und Schmerz, wenn es sich nicht einstellt und reagiere mit Abwehr. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass mich jemand fragt, wie es mir geht, sich für mich interessiert, sich um mich sorgt. Wenn es eintritt, kann ich die Gefühle kaum aushalten und verschließe mich gern - wie eine Auster. 

Sobald Kritik an mir geäußert wird, berechtigt oder unberechtigt, fängt ein geistiger "Vernichtungsfeldzug" an: In meinem Inneren tobt ein Kampf vieler intensiver Gefühle, die in der Regel nicht dem Ereignis angemessen sind. Hass, Vernichtungsgedanken, Wut auf die Menschen, die mir das "angetan" haben. Gleichzeitig ein Kampf gegen mich, der mit  derselben Intensität erfolgt.

Das hört sich alles hochdramatisch an, aber genauso verläuft meine "Musterautomatik": Mit vernichtender Arroganz, einer Eiseskälte und messerscharfer Argumentation lasse ich im Kontakt dann kein gutes Haar mehr an dem Menschen - und auch nicht mehr an mir.

Durch Selbstbeobachtung habe ich inzwischen gelernt zu unterscheiden, ob mein Interesse, meine Fürsorglichkeit aus Liebe und Achtung oder aus meinem negativen Selbstbild entspringen. Das ist ein wesentlicher Qualitätsunterschied. Im Kontakt mit anderen merke ich, dass ich klar, authentisch, ohne Hinterlist und Arglist bin, wenn ich mir selbst mit Liebe begegne. Dann bin ich in der Lage, Menschen nahe zu sein, sie zu unterstützen und ihnen in wirklich zu begegnen.

Dies alles bewirkt meine Vorherrschende Leidenschaft, der Neid. Meine Mustervariante "social" verstärkt dieses Gefühl, denn eigene Wünsche und Bedürfnisse zu haben, gehört sich nicht - es entsteht Scham. Anderen komme ich häufig so vor, als sei ich auf das Negative fokussiert, denn ich kann immer die Punkte benennen, die noch nicht so gut gelaufen sind. Ich bin süchtig nach Ansehen und Bedeutung, gleichzeitig habe ich nie das Gefühl, es zu haben, sondern bin voller Scham, wenn ich meine Wünsche und Bedürfnisse spüre und wahrnehme. 

Es fällt mir schwer, die Realität zu sehen. Ich stoße damit häufig Menschen vor den Kopf, indem ich Sie nicht beachte, mich arrogant und unnahbar gebe. Dabei will ich doch etwas ganz anderes: Ich will dazugehören, dabei sein, mitlachen, eingeladen werden, zum Gespräch hinzugezogen werden. Der Drang, die vermeintliche Wahrheit zu sagen, ist riesengroß. Dabei achte ich nicht immer auf die Grenzen der Anderen und mein negatives Selbstbild wird wieder bedient, wenn es ihrerseits zu entsprechenden Reaktionen kommt.

Mein Seelenkind: "Controlletti"

In "Klugscheißerei" und Rechthaberei zeigt sich mein Seelenkind ganz genau: Menschen haben sich gefälligst an Regeln zu halten - es muss fair und gerecht zugehen! Da bin ich überhaupt nicht großzügig, flexibel oder nachsichtig.

Für den Fall aber, dass sich jemand bemüht, löst sich dieses Gefühl sofort auf. Wenn jemand bei sich hinschaut, sich reflektiert oder bei sich ist, kann ich gut über Unzulänglichkeiten hinwegsehen.

Wenn ich eigene Fehler erkenne, wird die Scham übergroß. Wenn ich z. B. erkenne, dass ich Mist gebaut habe, kann ich mich zwar entschuldigen, aber meistens glaube ich, dass es doch daran gelegen hat, dass es nicht richtig kommuniziert oder erklärt worden ist, oder dass es an anderen Dingen liegt. In meiner "Musterautomatik" bin ich überzeugt, dass meine Fehler von niemandem verziehen werden, sondern dass ich sofort vernichtet werde. Fehler, die ich gemacht habe, können mich tagelang beschäftigen und mich immer tiefer in meinen Sumpf hineinziehen, der zu meinem negativen Selbstbild gehört.

Aber es gibt auch eine andere Seite

Als Führungskraft in einem großen Unternehmen profitiere ich sehr viel von diesem Seelenkind: von meiner Genauigkeit, von meinem guten Gedächtnis, von meiner Fähigkeit, strukturiert und nach Plan vorzugehen und dabei genau auf die Einhaltung von Vereinbarungen etc. zu achten. Das macht mir Spaß und es erfüllt mich mit viel Freude, wenn die Dinge gelingen, Fristen eingehalten werden. Ich liebe formale Abläufe, Begründungen, Beweisführungen. Für mich zeigt sich die Integration meines Seelenkindes dann, wenn es kein "geheimer Tugendbold" mehr ist, sondern - insbesondere in meinem Arbeitsalltag -, dieser "domestizierte Tugendbold" meinen Mitarbeitern Sicherheit und Orientierung gibt und ich nicht nachlasse, wenn es um die Verbesserung von Lebensbedingungen geht. Ich setze mich für den Abbau von Ungerechtigkeiten ein, habe dabei einen langen Atem und Durchhaltevermögen. Ich lasse nicht nach, wenn ich von einer Sache überzeugt bin.

Dies alles geschieht umso besser, wenn es mit Liebe, Humor und Wohlwollen gepaart ist, wenn ich präsent und in meiner Mitte bin, wenn ich verschütteter Milch nicht nachtrauere, sondern mich im Hier und Jetzt befinde.

Wenn dieses Gefühl imitiert wird, beschreibt Wilfried Reifarth dies als die Bemühung, originell, kreativ, spontan, als etwas Besonderes und Einzigartiges zu erscheinen. Und tatsächlich beobachte ich dies in meinen Tagträumen. In denen bin ich einzigartig, werde ich bewundert, meistens verbunden mit einem großen Gefühl von Melancholie, denn in diesen Tagträumen bin ich davon überzeugt, dass mein Wert und meine wahre Bedeutung erst an meinem Grab erkannt werden.

Selbstbeobachtung und Selbsterinnerung sind die beiden Dinge, die mich in meiner Entwicklung weiterbringen. Sie bewirken, dass ich mich in meinem Denkzentrum befinde und sie ermöglichen mir, nüchtern und mit einem hohen Maß an Realismus auf Prozesse, auf andere und mich zu schauen. Dies bewirkt, dass ich mich nicht mit negativen Emotionen identifiziere und ermöglicht es mir, im Kontakt mit anderen und mit mir zu sein.

Es ermöglicht auch ein Leben ohne Dramen, ohne ständiges Auf und Ab, und es entfaltet meine Fähigkeiten, Prozesse zu gestalten, Menschen dabei im Blick zu behalten und mich nicht unnötig zu quälen. Vor allem meine Energie darauf zu richten, dass die Welt mir viel zu bieten hat und ich auf ihr ein gern gesehener Gast bin.

Danke!

Lisa

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